Von der Kunst, die Kraft des Wassers zu nutzen

„Auf dem Wasser sind wir alle gleich“, lautet das Credo behinderter wie nichtbehinderter Kanusportler. Klaus Häfner hat viele Sportarten ausprobiert. Vor drei Jahren setzte er sich erstmals in ein Kanu und kann diese Aussage bestätigen.

Das Wasser und ich: Kanufahren ist Klaus Häfners jüngste Sportleidenschaft.

von Werner Pohl

Ein rollender Stein, so heißt es, setzt kein Moos an. Diese Sorge dürfte Klaus Häfner noch nie geplagt haben. Unter „Unveränderliche Kennzeichen“ müsste in seinem Pass eigentlich der Vermerk „chronisch bewegungssüchtig“ zu finden sein. Seit nahezu vier Jahrzehnten erprobt sich der heute 57Jährige in allen nur denkbaren Sportarten, was umso bemerkenswerter ist, als er sein Leben seit seiner frühen Jugend mit einer Mobilitätseinschränkung bestreitet. Bei einem Unfall zog er sich im Alter von 18 Jahren eine inkomplette Querschnittlähmung ab dem 1. Lendenwirbel zu. Seit einer Einblutung ins Rückenmark bei einer Operation vor zwei Jahren ist er ab dem 5. Brustwirbel komplett gelähmt.

Das hat den unternehmungslustigen und dynamischen Landwirt und Vater dreier Töchter allerdings nie daran gehindert, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen und immer wieder Grenzen auszutesten. Schon kurz nach seinem Unfall befasste er sich intensiv mit den Möglichkeiten, die Rollstuhlbasketball bietet und spielte in jungen Jahren auf Erste-Bundesliga-Niveau, davon zwei Jahre in der Nationalmannschaft.


Seit fast vier Jahrzehnten spielt Klaus Häfner Rollstuhlbasketball


Der Leidenschaft zu diesem Sport hält er immer noch die Treue, heute in der Bayernliga, wo er gemeinsam mit seiner ältesten Tochter in einer gemischten Mannschaft aktiv ist. Schwimmen, Klettern und Skifahren kamen hinzu – auch diesen Sportarten widmet er sich seit vielen Jahren. Das hält ihn freilich nicht davon ab, stets auch nach neuen Horizonten Ausschau zu halten, und auch einmal die eine und andere Trendsportart auf Gebrauchstauglichkeit zu testen, so etwa die an Mobilitätseinschränkung angepasste Variante des Wakeboardens, Sitwake, also eine an das Wasserskilaufen angelehnte Sportart auf einem eigens mit Sitz ausgerüsteten Board. Vielleicht war ihm das ja Motivation, dem nassen Element weitere Aufmerksamkeit zu widmen.


Auch der Wintersport kam nie zu kurz


Jedenfalls erweiterte er die beträchtliche Bandbreite seiner sportlichen Aktivitäten vor drei Jahren um sein jüngstes Sporthobby, das Kanufahren. Ein Zeitschriftenartikel über Wildwassersport und Körperbehinderung veranlasste ihn, Kontakt zum Inklusiven Kanuzentrum – Augsburg, den River Pirates, aufzunehmen und die Dinge nahmen ihren Lauf. Das Kanu ist ein sehr minimalistisches Wasserfahrzeug. Ein schlanker Rumpf, ein Sitz, ein Paddel und der Spaß kann losgehen. Die Anpassungen für Rollstuhlnutzer sind überschaubar und beschränken sich im Wesentlichen auf die an die Behinderungssituation angepasste Sitzschale.

„Fahrer mit Einschränkungen können Fehler nicht so gut mit der Hüfte ausgleichen, weshalb eine gute Paddeltechnik vielleicht wichtiger ist als bei Nichtbehinderten“, ergänzt Klaus und schwärmt sogleich von der Inklusivität, die dieser Sport mit sich bringt: „Auf dem Wasser sieht der Ungeübte keinen Unterschied zwischen Behinderten und Nichtbehinderten“. Faszinierend für ihn ist, wie er sagt, „die gewaltige Kraft, die bewegtes Wasser so mit sich bringt und die Kunst, diese Kraft zu nutzen.“ Das sich sein Horizont dadurch im Sinne des Wortes einmal mehr erweitert hat, ist ein gerne akzeptierter Zusatznutzen, denn das Paddeln erschließt neue Wege in die Natur.

Wie nahezu alle Sportarten bietet auch das Kanufahren Wettkampfmöglichkeiten in unterschiedlichen Disziplinen. Im Flachwasser etwa Kurz- und Langstreckenwettbewerbe und Sprintdisziplinen, ebenso Wettkämpfe im Wildwasser. Für den multisporterfahrenen Klaus Häfner ist das allerdings kein Thema mehr: „Da ich auf die 58 zugehe und im Basketball meine Wettkampfambitionen ausleben konnte, zählt für mich nur mehr der Freizeitwert.“


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Klaus Häfner, chronisch sportbegeistert

 

    Nützliche Links für Kanusportinteressierte:

     



    Die dargestellten Erfahrungsberichte, Aussagen und Meinungen beziehen sich auf die abgebildete Person. Diese Aussagen sind repräsentativ für die Erfahrungen dieser Person, die genauen Ergebnisse und Erfahrungen sind jedoch für jede einzelne Person einzigartig und individuell.